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Zur Geschichte der Gemeinde Inning und ihrer Ortsteile

Bilder und Text: Heimatgeschichte Inning

 

 

 

Inning

Die heutige Gemeinde Inning a. A. liegt mit ihren Ortsteilen Buch, Bachern, Schlagenhofen, Stegen und Arzla seit der Gebietsreform 1975 sowohl am Ammersee als auch am Wörthsee. Beide Seen entstanden durch das Abschmelzen des Isar - Loisachgletschers nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren.

Die bisher älteste Spur von ihnen ist in unserer Gemeinde ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit, das im Ortsteil Schlagenhofen gefunden wurde. Hügelgräbergruppen im Osterholz und in Stegen sowie Reste einer großen Siedlung aus der Hallstatt/späteren La-Tènezeit (800-400 v. Chr.) sind sichere Beweise für die Besiedlung vor fast 3.000 Jahren. Aus der römischen Besatzungszeit stammen Holzpfähle einer Amperbrücke in Stegen, die auf 164 n. Chr. datiert wurde. Reihengräber aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. sind in allen Ortsteilen zu finden. Einige Grabstätten enthielten noch Grabbeigaben, u.a. zwei Münzwaagschälchen. Sie deuten darauf hin, dass in Inning schon nach der Völkerwanderung ein kleiner Handelsplatz gewesen sein muss. Dort prüfte häufig ein „Münzwäger“ die vielen verschiedenen Geldstücke auf ihre Echtheit.

 

Ein Streifzug durch die heutige Gemeinde Inning lohnt sich.

Inning wird erstmals schriftlich in einer Schenkungsurkunde des Eichstätter Bischofs Odalfried (912-936) erwähnt, in der von „Uninga“ die Rede ist. Im Zuge der bajuwarischen Landnahme waren es im 5/6. Jahrhundert die „Leute des Uno“, die sich am Inninger Bach ansiedelten. Der Hauptort Inning liegt seit jeher verkehrsgünstig. Kaiser Heinrich II. zog 1021 mit seinem Heer durch Inning nach Italien, um den Papst gegen die Angriffe der Byzantiner zu unterstützen. Am Marktplatz erinnert ein Fries am Kaiserhaus daran.

Von Berchtesgaden führte seit dem Mittelalter die sog. „Untere Salzstraße“ über München durch Inning und über die Amper Richtung Kempten. Für 100 Jahre gab es deshalb bis 1862 eine offizielle Salzniederlage in Inning, um das „weiße kostbare Gold“ über Nacht sicher in dem 1764 neu erbauten Salzstadel zu verwahren. Der  Wirt und Posthalter des „Gasthofes zur Post“ erhob dafür den sog. „Salzpfennig“. Die Salzkufe auf dem Inninger Wappen erinnert an diese Zeit. Seit dem Mittelalter hatten Inning und seine Ortsteile bis 1803 verschiedene Herren. Darunter waren die Andechs - Meranier, die Wittelsbacher, die Haldenberger Greifenberger, das Kloster Andechs, Münchner Patrizier wie die Familie Katzmair und Pütrich, schließlich seit 1567 bis 1803 die Seefelder Grafen zu Toerring-Jettenbach, Auf die lange Herrschaft der Seefelder Grafen verweisen heute noch die zwei Rosen im Inninger Wappen.        

Die mehr als sehenswerte Rokokokirche St. Johannes Baptist mit dem alten Friedhof in der Ortsmitte ist Innings Wahrzeichen. Ihr doppelter Zwiebelturm ist weithin sichtbar. Link zur Geschichte von St. Johannes Baptist

Stegen

Der Ortsteil Stegen liegt am Ammersee. Ursprünglich gab es dort seit dem Mittelalter neben der Amperbrücke nur ein Fischerhaus und eine „Tafern“ (ein Gasthaus), dessen Wirt zugleich für die  Überquerung der Amperbrücke den Brückenzoll kassierte.

Vor 125 Jahren kam das stattliche Brauereigebäude hinzu. Um die gleiche Zeit hatten seit 1878 bzw. 1880 die Ammersee- und die Amperschifffahrt mit ihren ersten legendären Schiffen „Omnibus“ und „Marie Therese“ alias „Mooskuh“ den Betrieb aufgenommen. Ihr Heimathafen und ihre Werft befinden sich seitdem in Stegen. Heute zieht die Nordspitze des Ammersees zahlreiche Touristen und Naherholer an.

Buch, Oberndorf und Schlagenhofen

Buch gehörte bis 1803 zur Hofmark Wörth. Danach bildete es von 1818 bis zur Gebietsreform 1975 mit Bachern, der Wörthinsel, Schlagenhofen und Oberndorf eine selbstständige Gemeinde. Um 1900 entdeckten die Münchner den „Bauernsee“ (im Volksmund ist es der Name für den Ammersee) und errichteten in Buch zahlreiche Sommervillen.

Durch sie veränderte sich das Ortsbild des Dorfes mit seinen Bauern- und Fischerhäusern, einer Mühle und der von den Dorfbewohnern 1742 selbst gebauten Kapelle „Mariä Himmelfahrt/Heilige Dreifaltigkeit“ sehr. Link zur Geschichte der Bucher Kapelle Bachern liegt am Wörthsee und hat seinen Namen von dem aus dem See fließenden Bach „Bachla“.  Im Unterschied zu heute bestand es über Jahrhunderte aus höchstens fünf Anwesen, die wie Oberndorf und Teile Schlagenhofens und Buchs für die Versorgung der jeweiligen Herren auf der Wörthinsel zuständig waren. Auf ihr hatte sich 1446 der Münchner Patrizier Martin Katzmair ein Schloss erbaut, das 1772 durch ein kleineres ersetzt wurde. Es wird heute privat genutzt. Von Bachern führt ein Weg über das heutige Erholungsgebiet Oberndorf zum Ortsteil Schlagenhofen. 

Der Name Oberndorf erinnerte an einen kleinen Weiler, der im 30jährigen Krieg zerstört wurde. Danach war dort bis ins 20. Jahrhundert eine „Schwaige“ (ein großer Viehhof) der Seefelder Herrschaft. Die am See gelegenen dazugehörigen ehemaligen Wiesen gehören heute zum Erholungsgebiet. In Schlagenhofen ist im Kerndorf das alte Ortsbild seit dem Mittelalter weitgehend erhalten geblieben. Nach wie vor gruppieren sich die Häuser - bis ins 20. Jahrhundert waren es neun Gehöfte - um die Kirche St. Michael und ihren kleinen Friedhof. Link zur Geschichte St. Michael Gut Arzla liegt etwas abseits an der Staatsstraße nach Fürstenfeldbruck und war einst ebenfalls eine Schwaige der Seefelder Grafen. Die während der Säkularisierung zerstörte „Laurentiuskapelle“ wurde von den heutigen Besitzern wiederaufgebaut. Link zur Geschichte Laurentiuskapelle                                                                                                                                                             

Vergnügliche ortshistorische Spaziergänge“ des Vereins Heimatgeschichte Inning e.V. laden die Besucher ein, in aller Ruhe selbst auf historische Spurensuche zu gehen.                      

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