Montag, 17.08.2015
Vier Wochen Erstunterkunft für Asylbewerber

Bericht des Helferkreises Asyl


Fast schon mit Routine liefen die Angebote und Begleitungen des Helferkreises für die Flüchtlinge ab. So gibt es in dieser Woche nur von einigem Neuen zu berichten. So zum Beispiel vom Angebot zum Frisbee Werfen mit Oliver Kraus, einem Mitglied des GrandMasters Nationalteams Deutschland im (Ultimate) Frisbee. Mitgespielt haben etwa 15-20 Männer und einige Kinder. Manche waren nur kurz mit von der Partie, einige anderen hielten die ganzen eineinhalb Stunden am Mittwoch durch. Alle hatten großen Spaß dabei, und so mancher Flüchtling wollte wirklich Tipps, wie man korrekt und besser die Scheibe wirft. Großen Anklang fand neben den Kursen für die verschiedenen Nationalitäten ein gemeinsamer Deutschkurs für Mütter mit ihren Kindern, welcher in den Räumlichkeiten des St. Johannes Kindergartens stattfand. Mütter und Kinder lernten Deutsch, die Kinder durften anschließend noch spielen und der Ortswechsel (raus aus der Halle!) tat allen Beteiligten gut. An dieser Stelle ist es auch wichtig zu erwähnen, dass die Freizeitangebote zum Großteil nur von den Männern angenommen werden. Angebote für Frauen erscheinen also als besonders wichtig, so dass diese auch einmal ein bisschen Abwechslung vom Leben in der Halle erfahren dürfen.

Die Asylbewerber hatten deutlich an Selbständigkeit gewonnen. So konnten Besorgungen bei der Apotheke oder auch Besuche ortsansässiger Ärzte teilweise schon ohne Begleitung erledigt werden. Schwierig zeigten sich Untersuchungen in anderen Orten. Da die Kosten für die Fahrten, auch zu ärztlichen Kontrolluntersuchungen, nicht erstattet werden, entwickelte der Helferkreis folgenden Plan: Die Kosten für unabdingbare Arztbesuche wie auch Besuche im Krankenhaus von nahen Angehörigen, sofern diese mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt werden, wird der Helferkreis nach Vorlage der Tickets und Bestätigung der Notwendigkeit von Jonas Better Place erstatten. So erlauben wir unseren Flüchtlingen einen weiteren Schritt in die Selbständigkeit und schonen unsere Ressourcen an Fahrern und Begleitungen, welche teilweise sehr zeitaufwendig, jedoch immer sehr hilfreich waren.

In der vergangenen Woche wurde für die Konferenzen eine List of Important Rules for asylum seekers erstellt. Auf dieser wurden nun die dringlichsten Regeln, wie man sich in der Turnhalle verhalten soll, zusammengefasst. (nicht betteln, Müll in die vorgesehenen Behälter werfen, richtiges Benutzen der Toiletten etc.) Die Idee ist, in den Konferenzen diese Regeln auf Englisch zu besprechen. Im Anschluss daran ist es Aufgabe der Flüchtlinge, die Regeln den Flüchtlingen, welche kein Englisch beherrschen, in ihrer Landessprache zu erklären. Letzteres soll auf Listen festgehalten werden.

Die juristische Gruppe beschäftigte sich neben der Beratung auch mit Problemen wie nicht richtig eingetragenen Geburtsdaten in die Yellow Card oder dem Wunsch nach Verlegung wegen Familienzusammenführung. Letzteres ist nach unserem Erkenntnisstand nur möglich für Ehepartner und minderjährige Kinder. Es ist verständlich, dass beispielsweise eine Mutter mit einem Baby gerne in der gleichen Erstaufnahmeeinrichtung wäre wie ihr Ehemann. Die Beantragung der Verlegung ist jedoch nicht einfach.

Das schöne, sonnige Wetter trug das Seine dazu bei, dass das Leben an der Turnhalle weiterhin erfreulich ruhig und ohne größere Vorkommnisse ablief.

Verbessert wurde die Situation der Flüchtlinge durch die Installierung von Heißwassergeräten, aus denen nun heißes Wasser für Tee oder Nescafé gezapft werden kann. Auch die Aufteilung der Toiletten wurde optimiert. Die vom Landratsamt zusätzlich aufgestellten Dixi- Toiletten wurden nach Auskunft von Jonas Better Place ebenfalls angenommen.

Auch der Waschplan für die persönlichen Kleider der Flüchtlinge, welcher anfangs nicht immer eingehalten werden konnte, scheint nun gut zu funktionieren. Die Asylbewerber packen ihre Wäsche in einen Sack, welchen sie mit einem dicken Eddingstift beschriften. Die Wäsche wird „zimmerweise“ an verschiedenen Tagen abgegeben und sollte dann wieder sauber zurückkommen.

Neu eingerichtet wurde ein Helfersystem unter den Asylbewerbern. Es gibt nun Experten als Ansprechpartner, die beim Kauf von Handykarten unterstützen. Immer wieder war von Problemen der Flüchtlinge beim Kauf solcher Karten berichtet worden. So hoffen wir, dass in Zukunft nur passende Karten erstanden werden, und die Verkäuferinnen nicht mehr so viel Zeit in die Beratung investieren müssen.

Für Aufregung sorgten in einigen sehr heißen Nächten weiße Maden, deren wenig appetitlichen Anblick vielleicht so mancher Inninger aus den eigenen Mülleimern im Sommer kennt. Da bei einigen Flüchtlingen die Sorge kursierte, dass auf diese Weise Krankheiten übertragen werden könnten, fragten wir beim Gesundheitsamt nach. Dies gab Entwarnung: Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand können so keine Krankheiten übertragen werden. Die Mülltonnen werden dank einer Sonderleerung wöchentlich geleert. Außerdem reinigte Jonas Better Place alle Tonnen extra und gab ihnen einen neuen Standort –etwas weiter weg vom Halleneingang.

Ein Teil der Flüchtlinge wurde in der vergangenen Woche verlegt. Für die kommende Woche werden weitere Verlegungen erwartet. Nach unserem Wissenstand wurden keine neuen Flüchtlinge in den nun freien Betten untergebracht.

Falls Sie den Helferkreis mit Spenden unterstützen wollen, überweisen Sie bitte auf das unten angegebene Konto. Selbstverständlich stellen wir Ihnen eine Spendenquittung aus.

Nachbarschaftshilfe Inning •  IBAN12 7009 3200 0006 4202 65 • Verwendungszweck: "Helferkreis Asyl"

Herzlich bedanken wir uns bei allen zahlreichen ehrenamtlichen Helfer für die großartige Unterstützung.

Falls Sie noch nicht auf der Liste stehen und Lust haben, den Helferkreis Asyl zu unterstützen, schreiben Sie bitte eine Email an helferkreis.asyl@gmx.de.

Wenn möglich, geben Sie in Ihrem Schreiben unter Betreff gleich den Aufgabenbereich an, an dem Sie mitwirken wollen.

Gabler Bettina: Verwaltung, Sachspenden, Finanzen

Göbber, Jutta: Deutschkurse

Eisenmann Sabina/ Englberger Manuela/ Kaller, Gabriele: Familien- und Häuserpaten, Behördengänge, Begleitung

Dellinger Hans/ Gerhardt Sibylle: Sport, Vereine, Schulen, Kirche und Kultur

Vierheilig Dorothee: Juristische Begleitung

Wenisch Angelika: Springer

Wagatha Anja: Öffentlichkeitsarbeit

 

Autor: Anja Wagatha