Montag, 19.10.2015
Sechs Wochen Erstunterkunft (2. Runde) für Asylbewerber

Bericht des Helferkreises Asyl

Ein großartiges Highlight zum Ende der Notunterkunft in Inning war das Konzert der Asylbewerber für den Helferkreis. Ursprünglich von den Afrikanern geplant –diese hatten die wunderbare Idee gehabt, sich mit einem Trommelkonzert beim Helferkreis zu bedanken- wurde der Abend zu einer großen musikalischen Feier vieler Flüchtlinge zusammen mit vielen Helfern. Gut 100 Menschen waren ins SPECTACEL gekommen. Eva Fricke –ihr gebührt an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön- hatte die Afrikaner auf den Abend vorbereitet und ihre eigene Band Acoustic Trio sowie Carola Fürbaß zusätzlich gewinnen können, mit einigen musikalischen Einlagen aufzutreten. Gekonnt führte sie durch den Abend und auch die anderen Nationalitäten ließen es sich nicht nehmen, landestypisches Liedgut oder Tänze zum Besten zu geben. Es wurde ausgelassen getrommelt, getanzt, gesungen und gefeiert. Jeder Beitrag wurde stimmungsvoll mit großem Applaus belohnt. Die Musik hat hier alle geeint und mit Sicherheit zu einem für alle Teilnehmer unvergesslichen Erlebnis beigetragen.

Für eine weitere sehr schöne Geschichte der Familienzusammenführung sorgte Herr von Bargen, der oft an der Halle ist, sich die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge anhört und in seinen Konferenzen wichtige Verhaltensregeln transportiert. Zur Vorgeschichte:
Vor fast einem Jahr wurde eine junge Familie auf der Flucht aus Syrien in der Türkei getrennt. Der 8-jährige Sohn kam über München und lebt seit 8 Monaten in einem Kinderheim in Erkheim bei Memmingen. Der Vater gelangte erst vor ca. drei Wochen nach München und wurde in die Erstaufnahme nach Inning gebracht. Die Mutter lebt noch mit weiteren Kindern in der Türkei und möchte auch gerne kommen. Vater und Sohn hatten sich ein Jahr nicht gesehen. Von der Ankunft des Vaters in Inning hatte der Sohn erfahren. Von den Behörden, dem Kinderhaus und dem Vormund gab es aber keine Bemühungen und angeblich auch keine Möglichkeit für ein Treffen, da es sich um verschiedene Regierungsbezirke handelte. Über einen Dolmetscher bat der Vater um Hilfe. Da dieser zurzeit aus der Erstaufnahme in Oberbayern nicht in einen anderen Regierungsbezirk fahren durfte, musste der Sohn nach Inning geholt werden. Viele Telefonaten und Mails mit den zuständigen Stellen in der Regierung von Oberbayern, Starnberg und Augsburg, dem Kinderhaus und dem Vormund waren nötig, bis die Erlaubnis für einen Besuch beim Vater erwirkt werden konnte. Drei Stunden lang durften sich Vater und Sohn sehen, bis dieser wieder zurück in das Kinderhaus gebracht wurde. Wir sind tief berührt, dass Herr von Bargen den beiden diesen Tag der Freude ermöglichen konnte. Und die Geschichte geht auch noch schön weiter. Wegen der guten Integration sollte der Junge unbedingt im Kinderhaus bleiben. Schon jetzt kam die Bestätigung von, dass der Vater nach Schwaben überstellt wurde. Sobald ein Platz in der Nähe gefunden sein wird, darf er dort hin.

Bettina Gabler berichtet über die interreligiöse Feier: „Wir sind alle Söhne Abrahams“ war das Motto der interreligiösen Feier, zu der der Pfarrgemeinderat der katholischen Kirche am Freitag in das St.-Johannes-Kinderhaus eingeladen hatte. Ca. 100 Flüchtlinge waren der Einladung gefolgt. Obwohl die Halle im Kindergarten übervoll war, war die Atmosphäre während der Feier durchgehend geprägt von Achtung und Toleranz gegenüber Gläubigen anderer Religionen. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Thomas Pendanam wurden von einigen Inninger Flüchtlingen Texte aus dem Koran in arabischer und der Bibel in englischer Sprache vorgetragen. Gemeinsam lasen Asylsuchende unterschiedlicher Konfessionen den Text „Please, do not judge me, before knowing me“ – eine Botschaft, die uns allen unter die Haut ging.
Das anschließende Kuchenbuffet mit Kaffee war für die Bewohner der Turnhalle eine willkommene Abwechslung von der monotonen Hallenverpflegung.
Zu aller Überraschung packte nach dem offiziellen Teil Ellen Wrage ihr Akkordeon aus und gab deutsche Volkslieder zum Besten. Unterstützung dabei gab es von afrikanischen Trommlern und Eva Fricke mit ihrer phänomenalen Stimme. Binnen weniger Minuten haben alle Besucher getanzt, geschunkelt und gesungen. Spätestens da zeigte sich, dass Musik die Sprache ist, die über alle Grenzen und Konfessionen hinweg verstanden wird und die die Menschen verbindet.

Weitere aktuelle Informationen können Sie der Homepage der Gemeinde unter „Blog Asyl“ oder der Homepage der Nachbarschaftshilfe entnehmen.

Falls Sie den Helferkreis mit Spenden unterstützen wollen, überweisen Sie bitte auf das unten angegebene Konto. Selbstverständlich stellen wir Ihnen eine Spendenquittung aus.

Nachbarschaftshilfe Inning, IBAN DE12 7009 3200 0006 4202 65, Verwendungszweck: "Helferkreis Asyl".

Herzlich bedanken wir uns bei allen zahlreichen ehrenamtlichen Helfer für die großartige Unterstützung.

Falls Sie noch nicht auf der Liste stehen und Lust haben, den Helferkreis Asyl zu unterstützen, schreiben Sie bitte eine E-Mail an helferkreis.asyl@gmx.de.
Wenn möglich, geben Sie in Ihrem Schreiben unter Betreff gleich den Aufgabenbereich an, an dem Sie mitwirken wollen.

  • Gabler Bettina: Verwaltung, Sachspenden, Finanzen
  • Göbber Jutta: Deutschkurse
  • Eisenmann Sabina/ Englberger Manuela/ Kaller, Gabriele: Familien- und Häuserpaten, Behördengänge, Begleitung
  • Dellinger Hans/ Gerhardt Sibylle: Sport, Vereine, Schulen, Kirche und Kultur
  • Vierheilig Dorothee: Juristische Begleitung
  • Wenisch Angelika: Springer
  • Wagatha Anja: Öffentlichkeitsarbeit

Autor: Anja Wagatha