Montag, 27.07.2015
Eine Woche Erstunterkunft für Asylbewerber

Bericht des Helferkreises Asyl

Eine gute Woche nach Eintreffen der ersten Flüchtlinge in Inning konnten das Landratsamt und Jonas Betterplace in enger Zusammenarbeit mit Inninger Ärzten und dem Helferkreis die ersten Weichen stellen, um den Asylbewerbern das Einleben in Inning zu erleichtern.

Jeder Flüchtling kam nach dem gesundheitlichen Erstscreening mit einem „White Paper“ nach Inning. Wenige Tage nach der Ankunft wurde aus ärztlicher Sicht kein besonderes Risiko gesehen, mit den Flüchtlingen Kontakt aufzunehmen. Ganz deutlich muss aber gesagt werden, dass der Umgang mit den Asylbewerbern auf eigenes Risiko erfolgt. Eine Ansteckungsmöglichkeit besteht immer und überall.

Das herrliche Sommerwetter trug sicherlich auch seinen Teil dazu bei, dass die Stimmung unter den ca. 200 Menschen unterschiedlichster Herkunft (Afghanistan, Albanien, Eritrea, Jordanien, Nigeria, Pakistan, Senegal, Somalia, Syrien, Tunesien, Uganda) von Anfang an gut war. Das Leben in der Turnhalle ist nicht leicht. So erscheint es besonders bewundernswert, wie friedlich der Umgang untereinander trotz des beengten Wohnraumes ist. Erfreulicherweise zeigt ein Großteil der Inninger Bevölkerung großes Verständnis und Interesse, und eine außerordentliche Hilfsbereitschaft wird an den Tag gelegt. So wurden binnen weniger Stunden innerhalb des Helferkreises Sommerkleidung und Sommerschuhe gesammelt und bereits am nächsten Tag an die Flüchtlinge ausgegeben. Auch Wechselunterwäsche konnte innerhalb eines Tages gesammelt und ausgegeben werden. Die Spiel- und Freizeitangebote stießen auf großen Anklang bei den Flüchtlingen. Es stellte sich heraus, dass es im jetzigen Stadium wenig Sinn machte, verschiedene sportliche Aktivitäten zu festgelegten Zeiten anzubieten. Stattdessen wurden viele Sportgeräte zur freien Nutzung bereitgestellt (TT-Platte, Federballsets, alle möglichen Arten von Bällen, kleine Fußballtore). Der Beachvolleyball Platz steht außerhalb der offiziellen Trainingszeiten unbegrenzt zur Verfügung, ebenso der Basketballplatz. Auch die die Nutzung des Rollhockey-Platzes ist unbegrenzt erlaubt. Es wäre schön, wenn viele Inninger einfach zur Halle gehen, mit den Leuten sprechen und mit diesen spielen.

Weiterhin fanden folgende Aktivitäten an der Turnhalle statt: Malangebote für Kinder und Erwachsene und Bilderausstellung der gemalten Kunstwerke in der Turnhalle. Es wurde eine Spiel- und Bauecke eingerichtet sowie Spiele im Freien angeboten. Bücher wurden gemeinsam betrachtet und erste deutsche Wörter anhand der Bilder gelernt.

Die Unterrichtseinheiten in Deutsch beginnen ab Montag. Ab dieser Woche werden auch Konferenzen angeboten, in denen interessierte Flüchtlinge über deutsche Gepflogenheiten informiert werden und Fragen stellen können, die ihnen auf der Seele brennen. Dank der Unterstützung von Refugees Online e.V. in sehr guter Zusammenarbeit mit dem SV Inning wurde den Flüchtlingen in der Halle kostenloses WLAN zur Verfügung gestellt, sodass sie Kontakt mit der Heimat aufnehmen können. So mancher Fahrdienst mit Begleitung (Krankenhaus, Arzt) wurde schon in Anspruch genommen. Am Mittwoch möchte die Gruppe "Juristische Begleitung" das erste Mal an der Halle Informationen verteilen und Gespräche anbieten.

Es ist schön, dass auch so einige Erwachsene, Kinder und Jugendliche einfach bei der Halle vorbeikommen, um Kontakte zu knüpfen, sich zusammen zu setzen, zu unterhalten oder zu spielen. Jeder ist hier willkommen. Viele Flüchtlinge freuen sich über den Kontakt.

Der Helferkreis bittet jedoch ausdrücklich darum, von Geschenken an einzelne Asylbewerber Abstand zu nehmen, da eine ungerechte Verteilung rasch zu Streit führen kann, und wir im Zuge der Gleichbehandlung darum bemüht sind, Spenden gerecht zu verteilen. Wer Kleider- Schuh-oder Sachspenden hat, wende sich bitte an die unten angegebene E-Mail-Adresse. Wir können jene nicht lagern, sondern müssen sehr spontan und kurzfristig je nach Bedarf sammeln. Angeschrieben werden momentan nur der Helferkreis und diejenigen, die ihre E-Mail dafür hinterlassen haben. (wegen der großen Öffentlichkeitswirkung ist die Homepage momentan ungeeignet. So viele Spenden können wir logistisch nicht bewältigen!!!)

Außerdem bitten wir darum, den Flüchtlingen keine Fahrräder zur Verfügung zu stellen. Die Unfallgefahr ist groß, und es muss bedacht werden, dass die Asylbewerber noch nicht versichert sind.

Allen ehrenamtlichen Helfern für die großartige, bisweilen sehr kurzfristig angeforderte Hilfe, sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Diese Aufgabe können wir nur gemeinsam meistern. Nach der ersten Woche sind wir überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind.

Falls Sie noch nicht auf der Liste stehen und Lust haben, den Helferkreis Asyl zu unterstützen, schreiben Sie bitte eine E-Mail an helferkreis.asyl@gmx.de.

Wenn möglich, geben Sie in Ihrem Schreiben unter Betreff gleich den Aufgabenbereich an, an dem Sie mitwirken wollen.

  • Gabler Bettina: Verwaltung, Sachspenden, Finanzen
  • Göbber, Jutta: Deutschkurse
  • Eisenmann Sabina/ Englberger Manuela/ Kaller, Gabriele: Familien- und Häuserpaten, Behördengänge, Begleitung
  • Dellinger Hans/ Gerhardt Sibylle: Sport, Vereine, Schulen, Kirche und Kultur
  • Vierheilig Dorothee: Juristische Begleitung
  • Wenisch Angelika: Springer
  • Wagatha Anja: Öffentlichkeitsarbeit