Montag, 10.08.2015
Drei Wochen Erstunterkunft für Asylbewerber

Bericht des Helferkreises Asyl

 

Die ersten drei Wochen sind nun vorüber. Noch gab es keine Neuankömmlinge bei den Asylbewerbern. Lediglich eine Familie wurde verlegt.

Nach wie vor war die Laune unter den Flüchtlingen über weite Strecken gut. Naturgegeben gab es auch in Inning wie in jeder Gruppe dieser Größe bisweilen gruppendynamische Schwierigkeiten, welche jedoch von Jonas Better Place stets kontrolliert werden konnten.

Ein Großteil der Asylbewerber war nun im Besitz der Yellow Card, ein Ausweispapier, auf welchem Angaben zur Person, zur Unterkunft, zum erfolgten Gesundheitscheck und auch der Anhörungstermin beim Bundesamt vermerkt sind. Letzterer bewegt sich zwischen Ende Oktober und Anfang November. Dass ca. drei Monate bis zur Anhörung vergehen würden, stand schon vor Inanspruchnahme der Turnhalle fest, hat also erstmal keine Auswirkung auf die Belegung der Sporthalle. Vom Landratsamt liegen uns keine weiteren Informationen bezüglich einer Verlängerung der Hallenbelegung vor.

Am vergangenen Mittwoch wurde zum ersten Mal das Taschengeld ausgezahlt, und zwar für die Zeit im Juli und den ganzen August. Je nach Familienstand variiert die Höhe des Taschengeldes. (Antworten hierzu sowie zu weiteren häufig gestellten Fragen finden Sie im unten angegebenen Link zum Landratsamt Starnberg „Häufige Fragen zum Thema Asyl“ vom 14.7.15.) Verständlicherweise stieg der Konsum bei den ortsansässigen Geschäften an. An dieser Stelle sei eine Anmerkung zu den bisweilen teuren Handys erlaubt. Nein, weder die Regierung noch das Landratsamt noch die Gemeinde schenkt automatisch jedem Flüchtling ein Handy. Dass Privatpersonen derartige Geschenke tätigen, ist nicht auszuschließen. Ansonsten erwerben die Asylbewerber die Handys selbst. Auch die Handykarten müssen selbst gekauft werden. Lediglich der WLAN-Anschluss, um kostenlosen Kontakt mit der Heimat aufzunehmen, wurde von Refugees Gilching e.V. gestellt. Vom Taschengeld müssen auch Rasierer, Cola, Chips, Red Bull etc. erworben werden. Erwartungsgemäß stieg leider auch der Kauf von alkoholischen Getränken an. Mitarbeiter des Bauhofs entsorgten zum Beispiel rund um den Edeka Weiher massenhaft Glasflaschen, um die Verletzungsgefahr einzudämmen. In der Halle selbst herrscht striktes Alkoholverbot. Der Helferkreis plant, auch dieses Thema in die Konferenzen und den Deutschunterricht einfließen zu lassen. Von Jonas Better Place werden Hinweise zur Verbesserung dieser Problematik erwartet.

Der Müll bleibt ein Problem, gleichwohl dieses massiv angegangen wurde. Obwohl man das Gefühl hat, dass weniger Plastikmüll in der freien Natur entsorgt wird, wurden jetzt die großen Mülltonnen vor der Turnhalle von manchen deutschen Mitbürgern als ideale Müllentsorgungsstation entdeckt. Momentan wird darüber nachgedacht, wie die Tonnen verschlossen werden können. Auf Plakaten und an jeden Flüchtling einzeln verteilten Handzetteln wird die Verwendung der Mülltonnen wie auch der Toiletten eingefordert. Öffentliche Mülleimer wurden vom Bauhof zusätzlich geleert. In der kommenden Woche sollen zwei zusätzliche Dixi-Toiletten aufgestellt werden.

Die Spiel- (malen, Puzzle legen, …)und Sportmöglichkeiten (Fußball, Basketball, Tischtennis und Volleyball) wurden gut angenommen. Auch der Tennisclub wird sich beteiligen. Hier ist man gerade bei der Planung der Zeiten. Oliver Kraus, Mitglied des GrandMasters Nationalteams Deutschland im (Ultimate) Frisbee, wird ab dem 10.08.2015 Frisbee anbieten. Wir sind uns sicher, dass das großen Zuspruch finden wird. Für das Fußballspiel des SV Inning am Sonntag gegen Fürstenfeldbruck hatten die Flüchtlinge vom Vorstand des Sportvereins Freikarten erhalten, so dass etliche Asylbewerber interessiert den 3:1 Sieg der Inninger Mannschaft miterleben konnten.

Die Sprachförderung in Deutsch lief in geregelten Bahnen. Circa 20 Ehrenamtliche waren allein in diesem Teilbereich aktiv. Jedoch auch hier tauchten immer wieder Schwierigkeiten auf. Ein Teil der Asylbewerber legte ein anderes Verständnis von Pünktlichkeit an den Tag als wir. Ein versehentlich ausgelöster Feueralarm und die damit verbundene Evakuierung der Halle verschwendete einen Großteil der vorgesehenen Unterrichtszeit. Die Taschengeldausgabe in Starnberg kollidierte mit der Unterrichtszeit. Hier ist wirklich großer Langmut und auch einiges an Frustrationstoleranz von allen Beteiligten gefordert.

Die Gruppe „juristische Beratung“ führte ihre Arbeit weiter, beriet, informierte und gab Infobroschüren aus.

Auch in der vergangenen Woche wurden Asylbewerber bei unterschiedlichen Arztbesuchen begleitet. Auf den ersten Blick erwies sich vieles als schwierig, die Zusammenarbeit klappte dennoch sehr gut. Ärzte und Apotheke müssen genau die Vorgaben des Landratsamtes beachten, Anamnesebögen sind auszufüllen, obwohl so mancher Flüchtling nicht englisch spricht. Aber fast immer fand sich ein hilfsbereiter Dolmetscher und mit viel Geduld und Entgegenkommen konnten die Patienten behandelt werden.

Wir bedanken uns bei allen Helfern auch für die vielen konstruktiven Vorschläge zur Verbesserung der Situation. Als Beispiel sei hier die Kleiderausgabe genannt, welche in der vergangenen Woche nochmals durchgeführt wurde. Natürlich wäre es wunderbar, wenn wir zusätzliche Regale, Kleiderständer, Kleiderstangen, ein Zelt oder gar einen zusätzlichen größeren Raum (als den Fitnessraum in der Turnhalle) zu Verfügung stehen hätten. Auch der Wunsch nach einer Kleiderausgabe an verschiedenen Tagen getrennt nach Männern, Frauen und Kindern ist ein prima Vorschlag. Leider lassen sich die guten Vorschläge angesichts der organisatorischen Probleme nur schwer umsetzen. (Für die Ausgabe werden zwei Mitarbeiter von Jonas Better Place benötigt als Wache, der Termin funktioniert sowieso immer nur in Absprache mit JBP, die anderen Aktivitäten (Deutsch etc.) werden gestört, wir brauchen an drei Tagen Helfer zum Ausgeben und Sortieren) Außerdem ist anzumerken, dass die Kleiderausgabe ursprünglich NICHT eine Aufgabe des Helferkreises war, sondern des BRK in Zusammenarbeit mit Jonas Better Place. Angesichts der momentanen Flüchtlingssituation in Oberbayern war dies nicht zügig umsetzbar. Deshalb sprang der Helferkreis ein, deshalb auch die wahrlich nicht ganz perfekte Organisation. In der nächsten Zeit (Termin steht noch nicht fest) werden die Flüchtlinge ganz neu eingekleidet. Sie hatten auch bei der Ankunft Kleider und ein Paar Schuhe bekommen. Jeder besitzt inzwischen Wechselkleidung und Wechselunterwäsche. Schuhe zum Wechseln fehlen teilweise. Aber was wir nicht sammeln konnten, können wir auch nicht ausgeben. Und diejenigen, die beim Sortieren der Kleider geholfen haben, haben auch gesehen, welch eigene Probleme diese Tätigkeit mit sich bringt… Da stecken wirklich viele Stunden Arbeit dahinter, welche auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind.

Immer wieder sollten wir uns ins Gedächtnis rufen: Das ist eine Notunterkunft. Und eine solche kann nicht perfekt sein, schon gar nicht an den Maßstäben gemessen, von denen wir umgeben sind.

Auch wenn wir immer wieder an unsere Grenzen stoßen, muss doch die Devise sein: Wir alle versuchen, es so gut wie möglich hinzubringen. Perfektionsstreben wäre in dieser Situation illusorisch und kein gutes Ziel. Und wenn wir so denken, können wir sehen, dass vieles gut läuft. Die Freundlichkeit, die Dankbarkeit und die ersten deutschen Wörter und Sätze der Asylbewerber zeigen uns dies.

 

Falls Sie den Helferkreis mit Spenden unterstützen wollen, überweisen Sie bitte auf das unten angegebene Konto. Selbstverständlich stellen wir Ihnen eine Spendenquittung aus.

Nachbarschaftshilfe Inning •  IBAN12 7009 3200 0006 4202 65 • Verwendungszweck: "Helferkreis Asyl"

 

Danke an die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer für die großartige Unterstützung.

Falls Sie noch nicht auf der Liste stehen und Lust haben, den Helferkreis Asyl zu unterstützen, schreiben Sie bitte eine Email an helferkreis.asyl@gmx.de.

Wenn möglich, geben Sie in Ihrem Schreiben unter Betreff gleich den Aufgabenbereich an, an dem Sie mitwirken wollen.

Gabler Bettina: Verwaltung, Sachspenden, Finanzen

Göbber Jutta: Deutschkurse

Eisenmann Sabina/ Englberger Manuela/ Kaller, Gabriele: Familien- und Häuserpaten, Behördengänge, Begleitung

Dellinger Hans/ Gerhardt Sibylle: Sport, Vereine, Schulen, Kirche und Kultur

Vierheilig Dorothee: Juristische Begleitung

Wenisch Angelika: Springer

Wagatha Anja: Öffentlichkeitsarbeit

 

Autor: Anja Wagatha